Ratgeber Stückzinsen 2026: Berechnung, Beispiel & Steuertipp (Update)


Stückzinsen 2026: Berechnung, Beispiel & Steuertipp (Update)

Was sind Stückzinsen? Wir erklären die Berechnung 2026 an einfachen Beispielen. Warum Käufer von Anleihen Zinsen an den Verkäufer zahlen und wie man Steuern spart.

Stückzinsen 2026: Der tiefe Einblick in die Zinsberechnung und Steuerstrategie

In der Finanzwelt des Jahres 2026 haben Anleihen (Rentpapiere) ihren festen Platz in den Portfolios privater Anleger endgültig zurückerobert. Nachdem die Phase der Null- und Negativzinsen längst Geschichte ist, bewegen sich die Renditen für 10-jährige Bundesanleihen im März 2026 stabil in einem Korridor zwischen 2,85 % und 3,15 %. Für Anleger bedeutet dieses neue Zinsumfeld jedoch auch, dass technische Details des Rentenhandels wieder massiv an Bedeutung gewinnen. Das Verständnis von Stückzinsen ist heute kein Nischenthema mehr für Institutionelle, sondern essenzielles Basiswissen für jeden Privatanleger, der sein Depot rentenorientiert ausrichtet.

Wer heute eine Anleihe kauft, stellt beim Blick auf die Abrechnung oft fest, dass der tatsächliche Zahlbetrag deutlich über dem reinen Kurswert liegt. Dieser Differenzbetrag sind die Stückzinsen. Sie fungieren als ein fairer Ausgleichsmechanismus, der sicherstellt, dass Zinserträge exakt demjenigen zustehen, der das Kapital für den entsprechenden Zeitraum zur Verfügung gestellt hat. In einer Zeit, in der jeder Basispunkt zählt, kann die Fehlkalkulation von Stückzinsen die kurzfristige Liquiditätsplanung empfindlich stören. Die Dynamik am Anleihemarkt 2026 wird dabei maßgeblich durch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Inflationserwartungen geprägt, was die präzise Kalkulation dieser Kostenfaktoren noch kritischer macht.

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Definition 2026: Stückzinsen sind die zeitanteiligen Zinsen, die seit dem letzten Kupontermin bis zum Tag des Verkaufs einer Anleihe angelaufen sind. Sie stellen die Vergütung für den Verkäufer dar, der das Papier einen Teil der Zinsperiode gehalten hat, aber die finale Zinszahlung (den Kupon) nicht mehr selbst erhält, da er vor dem nächsten Zahltag verkauft.

Das Konzept: Clean Price vs. Dirty Price

Um die Mechanik hinter den Stückzinsen im Jahr 2026 vollumfänglich zu durchdringen, muss man die Preisgestaltung an den großen europäischen Handelsplätzen wie der Börse Frankfurt, Stuttgart oder Tradegate verstehen. In Deutschland und dem Großteil der Eurozone werden Anleihen fast ausschließlich als Clean Price (Prozentnotiz) gehandelt. Dies dient der Transparenz, da Zinsbewegungen und Bonitätsveränderungen so direkt am Kurs ablesbar sind, ohne dass die tägliche Zinsansammlung das Bild verzerrt.

Das bedeutet: Der an der Börse angezeigte Kurs (z. B. 98,50 %) spiegelt ausschließlich den Wert des Kapitals und die Markterwartung an die Bonität sowie das allgemeine Zinsniveau wider. Die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufenen Erträge sind in diesem Preis nicht enthalten. Der tatsächliche Preis, den Sie als Käufer an Ihren Broker überweisen müssen – der sogenannte Dirty Price (oder Vollpreis) –, setzt sich wie folgt zusammen:

  • Dirty Price = (Nominalwert × Clean Price / 100) + Stückzinsen + Ordergebühren + Spesen

Warum wird diese Trennung vorgenommen? Würde man den "Dirty Price" an der Börse listen, sähen die Kurven von Anleihen extrem unruhig aus. Der Kurs würde jeden Tag um den täglichen Zinszuwachs steigen, nur um am Tag der Zinszahlung (Ex-Kupon-Tag) schlagartig um die Höhe des gesamten Jahreszinses abzustürzen – ein Vorgang, den man bei Aktien als Dividendenabschlag kennt, der bei Anleihen jedoch die mathematische Vergleichbarkeit erschweren würde. Durch die Trennung in Clean Price und Stückzinsen bleibt der Anleihekurs über die gesamte Laufzeit vergleichbar und reagiert nur auf echte Marktveränderungen wie EZB-Zinsentscheidungen oder Bonitätsänderungen der Emittenten. Im Jahr 2026 ist dies besonders wichtig, da die Volatilität am Anleihemarkt aufgrund globaler geopolitischer Verschiebungen zugenommen hat.


Zinsberechnungsmethoden 2026: Die Mathematik hinter dem Gewinn

Nicht jeder Monat wird an der Börse gleich gezählt. Im Jahr 2026 sind für Privatanleger vor allem zwei Konventionen (Zinsberechnungsmethoden) relevant. Die Wahl der Methode hängt maßgeblich von der Gattung der Anleihe und dem Emissionsland ab. Die korrekte Anwendung dieser Methoden entscheidet darüber, ob Ihre Renditeberechnung bis auf die zweite Nachkommastelle stimmt.

1. Act/Act (ICMA): Der Präzisionsstandard

Diese Methode ist der Goldstandard für Staatsanleihen (z. B. Bundesanleihen, US-Treasuries) sowie für die meisten supranationalen Emittenten (EIB, ESM). "Act" steht für "Actual" (tatsächlich). Hier wird mit den exakten Kalendertagen gearbeitet, die ein Monat oder ein Jahr tatsächlich hat.

  • Zähler: Die exakte Anzahl der Tage vom letzten Zinstermin (inklusive des Tages) bis zum Valutatag (Abrechnungstag, meist Kauftag + 2 Bankarbeitstage).
  • Nenner: Die tatsächliche Anzahl der Tage in der aktuellen Zinsperiode (365 Tage oder 366 in Schaltjahren).

Im Jahr 2026, das kein Schaltjahr ist, wird konsequent mit 365 Tagen gerechnet. Diese Methode sorgt für eine auf den Cent genaue Abrechnung der Zinsansprüche und ist die fairste Methode für Anleger, da kein Tag unter den Tisch fällt.

2. 30/360 (Deutsche Zinsmethode): Der Klassiker

Viele Corporate Bonds (Unternehmensanleihen) und Pfandbriefe nutzen weiterhin diese vereinfachte Methode, die noch aus der Zeit der manuellen Buchführung stammt. Hier wird jeder volle Monat pauschal mit 30 Tagen gerechnet, und das Jahr konsequent mit 360 Tagen.

  • Ein Kauf am 28. Februar und ein Verkauf am 30. März würde hier genau 32 Tage ergeben (2 Tage Rest-Februar bis zum fiktiven 30. + 30 Tage März), unabhängig davon, wie viele Kalendertage der Februar tatsächlich hatte. Dies erleichtert die Kalkulation im Kopf, führt aber bei unregelmäßigen Halteperioden zu minimalen Abweichungen gegenüber der Realzeit. Im Jahr 2026 wird diese Methode zunehmend von moderneren Systemen verdrängt, bleibt aber bei Bestandspapieren und vielen Euro-Industrieanleihen rechtlich bindend.

3. Act/360: Die Euro-Zinsmethode

Vor allem im Geldmarktbereich (Laufzeiten unter einem Jahr) oder bei variabel verzinsten Anleihen (Floatern) findet man oft die Act/360-Methode. Hier werden die tatsächlichen Tage gezählt, aber das Jahr wird nur mit 360 Tagen gewichtet. Für den Anleger ist dies rechnerisch leicht vorteilhaft, da der tägliche Zinsfaktor durch 360 statt durch 365 geteilt wird, was zu einem leicht höheren täglichen Zinsbetrag führt.


Detailliertes Berechnungsbeispiel: Bundesanleihe 2026

Nehmen wir ein praxisnahes Szenario für das Frühjahr 2026. Ein Anleger investiert in eine fiktive Bundesanleihe, um von dem stabilen Zinsumfeld zu profitieren und sein Portfolio gegen Aktienschwankungen abzusichern.

  • Nominalwert: 20.000 €
  • Kupon: 3,00 % p.a. (jährliche Auszahlung)
  • Letzter Zinstermin: 15. Januar 2026
  • Kaufdatum (Handelstag): 20. April 2026
  • Valuta (Abrechnung): 22. April 2026 (T+2 Regelung am deutschen Markt)
  • Methode: act/act (Standard für Bundeswertpapiere)

Schritt 1: Exakte Tage zählen
Vom 15. Januar bis zum 22. April zählen wir unter Berücksichtigung des ersten Tages:
16 Tage (Rest-Januar ab dem 15.) + 28 Tage (Februar 2026) + 31 Tage (März) + 22 Tage (April) = 97 Tage.

Schritt 2: Die Formel anwenden
Stückzinsen = (Nominalwert × Kupon × Tage) / (Tage im Jahr × 100)
Stückzinsen = (20.000 € × 3,00 × 97) / (365 × 100)
Stückzinsen = 58.200 / 365 = 159,45 €

Beim Kauf muss der Anleger also 159,45 € zusätzlich zum Kurswert (Clean Price) aufwenden. Wichtig zu wissen: Diese 159,45 € sind kein verlorenes Geld oder zusätzliche Kosten wie eine Provision. Es ist eine Vorauszahlung auf die Zinsen, die der Anleger am 15. Januar 2027 in voller Höhe (600 € für 20.000 € Nominal) erhalten wird. Davon gehören ihm faktisch nur die Zinsen ab dem 22. April, weshalb er dem Verkäufer dessen Anteil vorab erstattet.


Steuerliche Behandlung: Der Stückzinstopf als Rendite-Hebel

Im Jahr 2026 ist die steuerliche Handhabung von Stückzinsen für viele Privatanleger einer der wichtigsten Aspekte der Portfolio-Optimierung. Nach Paragraph 20 des Einkommensteuergesetzes (EStG) gelten gezahlte Stückzinsen als negative Einnahmen aus Kapitalvermögen. Dies ist eine Besonderheit im deutschen Steuerrecht, die Anleihen gegenüber vielen anderen Anlageklassen attraktiv macht.

Verlustverrechnung in Echtzeit

Moderne Broker führen im Jahr 2026 die Verrechnung vollautomatisch durch. Sobald Sie Stückzinsen beim Kauf einer Anleihe zahlen, wird dieser Betrag in den sogenannten allgemeinen Verlustverrechnungstopf gebucht. Dies hat zwei massive Vorteile, die Ihre Nettorendite sofort beeinflussen:

  1. Sofortige Steuererstattung: Haben Sie im laufenden Jahr 2026 bereits Steuern auf Dividenden oder Zinsen gezahlt, erstattet die Bank die Abgeltungsteuer (25 % + Soli + ggf. Kirchensteuer) auf die gezahlten Stückzinsen oft innerhalb weniger Tage direkt auf Ihr Verrechnungskonto zurück. Die gezahlten Stückzinsen wirken also wie eine "Steuerrückzahlung auf Knopfdruck".
  2. Reduzierung der Bemessungsgrundlage: Gezahlte Stückzinsen mindern Ihre steuerpflichtigen Kapitalerträge direkt. Wenn Sie 1.000 € Zinsen erhalten, aber zuvor 300 € Stückzinsen gezahlt haben, müssen Sie nur noch 700 € versteuern. Dies gilt bankübergreifend jedoch nur im Rahmen der Einkommensteuererklärung; innerhalb einer Bank geschieht dies automatisch.

Sparer-Pauschbetrag 2026

Der Sparer-Pauschbetrag bleibt 2026 stabil bei 1.000 € für Ledige und 2.000 € für gemeinsam veranlagte Ehepartner. Der Clou: Da Stückzinsen negative Einnahmen sind, werden sie vor dem Sparer-Pauschbetrag verrechnet. Dies ermöglicht es, Kapitalerträge über die Grenze des Pauschbetrags hinaus steuerfrei zu stellen, indem man gezielt Stückzinsen generiert, um Gewinne in ein anderes Jahr zu schieben.


Deep Dive: Der "Stückzins-Trick" 2026 – Ein mathematisches Fallbeispiel

Der wohl spannendste Aspekt für versierte Investoren ist die gezielte Steuerverschiebung über die Jahresgrenze. Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn der Sparer-Pauschbetrag im aktuellen Jahr bereits ausgeschöpft ist, im Folgejahr aber noch zur Verfügung steht oder ein niedrigerer persönlicher Steuersatz erwartet wird.

Das 50.000 Euro Szenario

Angenommen, wir befinden uns im Dezember 2026. Ein Anleger hat seinen Freibetrag von 1.000 € bereits komplett durch Aktiendividenden verbraucht. Nun erhält er am 15. Dezember eine Sonderzahlung oder Zinsen aus einem Festgeld in Höhe von 2.000 €, auf die er ca. 527 € Steuern (25% Abgeltungsteuer + Soli) zahlen müsste.

Die Strategie:
Am 20. Dezember 2026 kauft der Anleger eine Unternehmensanleihe mit einem hohen Kupon (z. B. 5,00 % p.a.) und einem Nominalwert von 50.000 €. Der nächste Zinstermin dieser Anleihe ist bereits der 5. Januar 2027.

Die Rechnung:
Da der Anleger die Anleihe fast am Ende der Zinsperiode kauft, zahlt er für ca. 350 Tage Stückzinsen an den Verkäufer.
Stückzinsen = 50.000 € × 5,00 % × (350 / 360) ≈ 2.430 €

Der Effekt im Jahr 2026:
Die 2.430 € werden vom Broker als negativer Ertrag gebucht. Sie neutralisieren die 2.000 € Gewinn aus dem Festgeld vollständig. Der Anleger erhält die bereits gezahlte Steuer von 527 € vom Finanzamt (via Broker-Abrechnung) zurück. Zudem verbleibt ein kleiner Verlustvortrag von 430 € für das nächste Jahr (oder zur Verrechnung mit anderen Erträgen im Dezember).

Der Effekt im Jahr 2027:
Am 5. Januar 2027 erhält der Anleger den vollen Kupon der Anleihe in Höhe von 2.500 €. Hier greift nun der neue Sparer-Pauschbetrag von 2027 (1.000 €).
Zu versteuernder Betrag 2027: 2.500 € - 430 € (Verlustvortrag) - 1.000 € (Pauschbetrag) = 1.070 €.
Ohne den Trick hätte er 2026 volle Steuern auf das Festgeld gezahlt und 2027 nur einen Teil seines Pauschbetrags nutzen können.

Ergebnis: Durch den Einsatz von 50.000 € Kapital für nur rund 16 Tage wurde die Steuerlast massiv in die Zukunft verschoben und der Freibetrag des Folgejahres optimal ausgenutzt. Dies optimiert den Zinseszins-Effekt, da das gesparte Steuerkapital länger investiert bleibt. Wichtig: Achten Sie auf die Transaktionskosten (Spread und Ordergebühren), damit der Steuervorteil nicht durch Bankgebühren aufgefressen wird.


Risiken und Besonderheiten 2026

Trotz der mathematischen Schönheit der Stückzinsen gibt es im Marktumfeld von 2026 spezifische Risiken, die Anleger nicht ignorieren dürfen:

  • Emittentenrisiko: Wenn Sie hohe Stückzinsen im Voraus zahlen, gehen Sie in Vorleistung. Sollte der Emittent (z. B. ein Unternehmen mit schwachem Rating) zwischen Ihrem Kauf und dem Kupontermin insolvent werden, erhalten Sie die Zinsen nicht. Die gezahlten Stückzinsen bleiben zwar als steuerlicher Verlust bestehen, das investierte Cash ist jedoch verloren. 2026 ist die Bonitätsprüfung (Ratings von S&P, Moody's, Fitch) daher Pflicht.
  • Liquiditätsfalle: Der Dirty Price kann bei Anleihen mit hohen Kupons (z. B. High-Yield-Bonds mit 8 % oder mehr) kurz vor dem Zinstermin deutlich über dem Nominalwert liegen. Planen Sie genügend Liquidität auf dem Verrechnungskonto ein.
  • Spread-Risiko: In volatilen Marktphasen 2026 können die Geld-Brief-Spannen (Spreads) bei Anleihen deutlich ansteigen. Wer eine Anleihe nur für den Stückzins-Trick kauft und kurz darauf wieder verkauft, zahlt zweimal den Spread, was den steuerlichen Vorteil mindern kann.

Zusammenfassung und Checkliste für Anleger

Stückzinsen sind im Marktumfeld 2026 weit mehr als eine mathematische Fußnote. Sie sind ein Instrument zur Liquiditätssteuerung und Steueroptimierung. Wer die Regeln kennt, kann seine Nettorendite spürbar steigern.

MerkmalDetails & Bedeutung (Stand 2026)
Steuer-KategorieNegative Einnahmen gemäß § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 EStG.
Berechnung (Bunds)Act/Act (tatsächliche Tage) – höchste Präzision für Staatspapiere.
Berechnung (Corporate)Meist 30/360 – vereinfachte Zählung für die meisten Firmenbonds.
Der TrickKauf kurz vor Kupontermin zur Steuerverschiebung (Verschiebung in Folgejahr).
Dirty PriceDer tatsächliche Kurswert inklusive Stückzinsen (Vollpreis).
LiquiditätVorausgezahlte Stückzinsen binden Kapital bis zur Kuponzahlung.
Freibetrag1.000 € / 2.000 € (wird nach Verrechnung der Stückzinsen angewandt).

Bevor Sie 2026 eine Anleihe erwerben, prüfen Sie stets die Valuta-Regelung Ihres Brokers. In der Regel dauert es zwei Bankarbeitstage, bis ein Kauf wertmäßig wirksam wird (T+2). Dies ist entscheidend, wenn Sie den Stückzins-Trick exakt zum Jahreswechsel planen oder kurz vor einem Kupontermin agieren wollen, um noch als bezugsberechtigt für den vollen Zins zu gelten.


FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Stückzinsen 2026

Muss ich die Stückzinsen selbst in der Steuererklärung angeben?

In der Regel nein. Deutsche Broker verrechnen die Stückzinsen automatisch im Verlustverrechnungstopf und weisen dies transparent in der Jahressteuerbescheinigung aus. Nur wenn Sie Depots im Ausland führen (z. B. bei einem Broker in den USA oder in Asien), müssen Sie die gezahlten Stückzinsen manuell als negative Einnahmen in der Anlage KAP erfassen, um die gezahlte Abgeltungsteuer zurückzufordern.

Gibt es Stückzinsen auch bei ETFs?

Nein. Bei Renten-ETFs (Anleihen-ETFs) gibt es keine expliziten Stückzinsen für den Anleger. Die Zinsansprüche der enthaltenen Anleihen fließen kontinuierlich in den Nettoinventarwert (NAV) des ETFs ein. Beim Kauf eines ETF-Anteils zahlen Sie lediglich den aktuellen Marktpreis, ohne separate Zinskomponente auf der Abrechnung zu sehen. Daher ist der "Stückzins-Trick" mit ETFs technisch nicht möglich.

Was passiert mit den Stückzinsen, wenn ein Emittent insolvent geht?

Dies ist das größte Risiko für Anleihekäufer. Wenn Sie Stückzinsen beim Kauf an den Verkäufer gezahlt haben, der Emittent aber vor dem nächsten Kupontermin zahlungsunfähig wird, erhalten Sie keine Zinsen zurück. Die gezahlten Stückzinsen bleiben zwar steuerlich als negativer Ertrag in Ihrem Verrechnungstopf bestehen (was die Steuerlast mindert), das physische Kapital für die Zins-Vorauszahlung ist jedoch verloren. 2026 sollte daher strikt auf die Bonität und CDS-Spreads geachtet werden.

Sind Stückzinsen das Gleiche wie der Kupon?

Nein. Der Kupon ist die vertraglich festgelegte, meist jährliche Zinszahlung (z. B. 3 % pro Jahr auf den Nominalwert). Stückzinsen sind lediglich der zeitanteilige Teil dieses Kupons, der auf die bisherige Haltedauer innerhalb des laufenden Zinsjahres entfällt. Man könnte sagen: Stückzinsen sind der "Kupon im Wartestadium".

Warum sind die Stückzinsen manchmal negativ?

In der Vergangenheit (Phase der Negativzinsen vor 2022) gab es tatsächlich negative Stückzinsen, bei denen der Käufer Geld dafür erhielt, dass er die Anleihe übernahm. Im aktuellen Marktumfeld von 2026 kommt dies jedoch praktisch nicht mehr vor, da die Marktzinsen flächendeckend im positiven Bereich liegen und Staatsanleihen wieder attraktive Kupons bieten.

Kann ich den Stückzins-Trick beliebig oft wiederholen?

Theoretisch ja. Das Finanzamt akzeptiert diese Praxis im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung, solange ein echtes wirtschaftliches Geschäft vorliegt (Kauf einer realen Anleihe am Sekundärmarkt). Es sollte jedoch beachtet werden, dass Transaktionskosten (Ordergebühren und Spread) den steuerlichen Vorteil bei zu häufiger Wiederholung oder kleinen Summen schnell auffressen können. Ein ökonomischer Sinn sollte neben dem steuerlichen Vorteil erkennbar sein.

Was ist der Unterschied zwischen Stückzinsen und der Emissionsrendite?

Stückzinsen beziehen sich auf laufende Kupons einer Anleihe. Die Emissionsrendite (oft bei Nullkuponanleihen oder Deep-Discount-Bonds relevant) entsteht durch den Unterschied zwischen dem niedrigen Ausgabekurs und dem Rückzahlungskurs zu 100 %. Während Stückzinsen jährlich (oder halbjährlich) fließen, wird die Emissionsrendite steuerlich erst beim Verkauf oder bei Fälligkeit realisiert.


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Über den Autor

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Andreas Vonoia

Finanz-Experte

Hallo, mein Name ist Andreas Vonoia, und ich bin ein erfahrener Finanzredakteur bei zinsen.net. Ich habe mich auf die Themen Anleihen, Kredite und Zinsen spezialisiert und kenne mich bestens mit verschiedenen Kontoarten wie Girokonto, Tagesgeldkonto, Kreditkarten und Festgeldkonto aus. Mit leicht verständlichen und informativen Texten möchte ich dir helfen, die besten Entscheidungen für deine Finanzen zu treffen.

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